DIE ZEITREISE IM STEINTOR

Das Gocher Karnevals-Museum im Wahrzeichen wurde mit einer Feierstunde im Rathaus eröffnet. „Macher“ Franz Küppers, von Mike Theissen als „Indiana Jones“ gelobt, ist jetzt Ehrensenator im Festkomitee.


VON JÜRGEN LOOSEN

Die offizielle Feierstunde im Rathaus-Foyer geriet zu einem Streifzug durch die Geschichte des Fastelowends, getreu dem Motto des seit dem 09.11.2008 für die Narren geöffneten Karnevals-Museums im Wahrzeichen Steintor, in dem man „auf eine kleine Zeitreise durch mehr als 50 Jahre Gocher Karneval“ gehen kann. Denn für einen stilechten Festakt hatten sich die Organisatoren nicht nur als Festredner Altbürgermeister Willi Vaegs ausgeguckt, sondern für die humorig-historische Umrahmung mit dem Kübelquintett und „Fidehie“ Alfred Matenaers Urgesteine der letzten Jahrzehnte auf die Bühne gebeten.

Die Sammlung lebt RZK-Chef Frank Bömler hatte neben Abordnungen aller Karnevalsvereine als Ehrengäste SPD-Bundesschatzmeisterin Dr. Barbara Hendricks und SPD-MdL Bodo Wissen begrüsst. Er sprach von dreieinhalb Jahren Kleinstarbeit von der Idee, geboren im Kölner Karnevalsmuseum, bis zur Verwirklichung. Man erhebe „keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber die Sammlung soll inspirieren und weiter leben mit neuen Stücken“. Fast jeder Gocher könne sich in der 1. Etage des Steintors in den beiden Räumen irgendwo wieder finden.

Daran knüpfte Bürgermeister Karl-Heinz Otto in seinem Grußwort an:
„Der Gocher Fastelowend ist ein Aushängeschild für unsere Stadt. Wir sind ein Karnevalsmagnet für die vielen Menschen, die kommen, um hier Karneval zu feiern“. Das Museum sei „ein Alleinstellungsmerkmal“. Schon stand ein Ausstellungsstück auf der Bühne: Die Drehorgel der berühmten „Fidehies“. An der stand das Original Alfred Matenaers, in die Rolle seines verstorbenen Partners Johannes Wouters sen. schlüpfte Tochter Katja, selbst auch Ex-Karnevalsprinzessin. „Urwüchsiger Gocher Karneval“, lobte Willi Vaegs, der als Senator die Festrede hielt
und gleich betonte, das sei gar keine, sondern eine persönliche Rückschau.

Und so plauderte der Ex-Prinz 1975 aus dem Nähkästchen, begann mit dem 1885 gegründeten Kolping-Karneval-Komitee, dachte an die erste Kappensitzung nach dem Krieg im kaputten Kolpinghaus 1946, erinnerte an den ersten Rosenmontagszug 1952 mit Prinz Gerd van Nooy sen. und die Macher um Hermann Poell und die Terbuyken-Brüder. Sein Feuerwehr-Karneval (seit dem 11.11.2008 wieder an der Reihe), besondere Ereignisse (seit 1975 Kür in der Dreifachhalle, seit
11.11.1978 Prinzenvorstellung), verdiente Oberkarnevalisten wie Willy Jäger, Peter Poell („Er war die besondere Note“) oder Wagenbauer Heinrich Schrott, in den Worten von Vaegs lebte der Karneval und seine unglaubliche Entwicklung bis zum heutigen Tag auf.

Ein Stück dieses Karnevals kam vierköpfig auf die Bühne: Hermann Hendricks, Herbert Röös, Heinz Ermers und Ladis Derer, das GGKKübelquartett, das einst als Quintett begann und von 1962 bis 1997 die Säle zum Toben brachte und mit Gocher Karnevalsliedern für Stimmung sorgte, bei „Heladi“ mit „Brauer“ Johannes Janssen an Bord, wie in alten Zeiten.

Prinzenkür-Sitzungspräsident Mike Theissen, nach einem Treppensturz an Krücken, lobte: „Ihr seid wie alter Wein, je älter, desto besser“. Theissen war Laudator, denn eine Ehrung besonderer Art stand bevor: Franz Küppers, Chef-Organisator der Musems-Ausstattung (unterstützt vor allem von Rosita und Willy van Bruck) wurde zum Ehrensenator des Festkomitees Gocher Karneval ernannt. Der Ex-Prinz von 1956 sei, so Theissen, “im Stile eines Indiana Jones den Schätzen nachgejagt“ und habe sich die Ehrung redlich verdient.

IMMER SONNTAGS OFFEN

Das Karnevals-Museum im Gocher Steintor ist immer sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, Spenden für den Karneval sind willkommen.


Mit freundlicher Genehmigung der Rheinischen Post

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